AC/DC und der interaktive Bauzaun

Ich find’s lustig, das AC/DC-Plakat, das zur Zeit hier in Kön herumhängt: Die Frisur und Mütze von Angus Young, und darunter die Aufgabe:
Komme als Angus Young verkleidet zu diesem Plakat und lass Dich von einem Freund/Freundin mit dem Handy oder einer Kamera davor fotografieren.
Ein Mini-Flash-Mob für gestandene Rocker. Das ist doch mal ein charmanter Versuch, aus dem Plakat herauszutreten und den Bauzaun als interaktive Spielfläche zu nutzen. (Nett auch die Präzisierung, dass Freund oder Freundin das Foto machen und Handy oder Kamera daf¨r nutzen sollen. Käe ja vielleicht nicht jeder von allein drauf.)
Galveston

St Patrick’s Church, Galveston, Texas, 1902. (Quelle.)
Ike war nicht der erste Hurrikan, der Galveston und Texas heimsuchte: Die schlimmste Katastrophe war der Hurrikan vom September 1900, als die Stadt schon einmal völlig verwüstet wurde und zwischen mindestens 6.000 Menschen den Tod fanden. Manche Schätzungen sprechen auch von 8.000 bis 12.000 Toten, sicher ist soviel: Keine Naturkatastrophe in den USA hat jemals mehr Opfer gefordert (Katrina kostete etwa 1.800 Menschen das Leben).
Anlässlich der Verwüstungen, die Ike anrichtete, ist in einigen Medien auch wieder an die Ereignisse von 1900 erinnert worden. Ein Aspekt ist dabei allerdings kaum zur Sprache gekommen: Dass nämlich damals eine der aufwändigsten und ausgefallensten Schutzmaßnahmen eingeleitet wurde, um zukünftige Katastrophen zu verhindern. Dazu gehörte nicht nur der Bau einer riesigen Schutzmauer, sondern auch die Anhebung der gesamten Stadt - inklusive fast aller Gebäude - um rund fünf Meter. Mehr …
Terrainspotting

Hier gibt es noch keine Street View.
Terrainspotting: Vielleicht nicht das brillianteste Wortspiel, aber die Idee eines neuen Hobbys, das darin besteht, die Lücken in Googles Street View, in Flickr und Panoramio zu schließen, hat etwas Amüsantes. Eine neue Generation von Geo-Paparazzi, die mit GPS-Kameras auszieht, um Hinterhöfe und Seitenstraßen abzulichten, in die der Google-Car nicht vordringt. Die ständig auf der Jagd ist nach den architektonischen Details und baulichen Veränderungen, die benötigt werden, um 3D-Panoramen zu vervollständigen: “Let’s make it synthy!” Mehr …
Osteuropäische Filmplakate

Wieslaw Walkuski, Der Leopard, 1989 (Quelle).
Eine der Besonderheiten der Länder hinter dem eisernen Vorhang war die fast vollständige Abwesenheit von Werbung für Konsumartikel. Wo Werbung stattfand, gab sie sich meist nüchtern und lakonisch, als ob es weniger um das Anpreisen eines Produktes ging, sondern einfach nur darum, seine Existenz noch mal kurz zu bestätigen. “Plaste und Elaste aus Schkopau”, meldete ein Transparent an der Transitstrecke nach Berlin, und damit war eigentlich genug gesagt. Mehr …
“The Equivalent of Leeds”

Foto: Pat O’Halloran
In diesem faszinierenden Artikel lesen wir, wie eine ökologische Katastrophe zu einer archäologischen Entdeckung geführt hat. Zwischen dem 17. und 21. September 2003 verwüstete ein Flächenbrand ein zweieinhalb Quadratkilometer großes Areal in den North York Moors. Die Zerstörungskraft des Feuers war so stark, dass auch große Teile der Torfschicht verbrannt wurden. Zum Vorschein kamen prähistorische Feldersysteme und Felsreliefs, Drainagen und Kanäle des Alaunabbaus im 18. und 19. Jahrhundert, Reste der Manöver- und Verteidigungsanlagen des 2. Weltkriegs, lesen wir an anderer Stelle. Mehr …
Reste

Auf dem Gelände des alten Bahnausbesserungswerks in Nippes entsteht ein neues Wohngebiet. Überregionale Beachtung hat vor allem der Teil gefunden, der unter dem Namen Stellwerk 60 zur ersten autofreien Siedlung Kölns entwickelt werden soll, “das größte Wohnprojekt dieser Art in Deutschland”, wie die zuständige Verwaltungsgesellschaft stolz behauptet. Mehr …
Llamadas

Photo: Nicolas Nova.
Noch etwas Handy-Anthropologie: Ein weiteres Beispiel dafür, wie neue Technologien in der Dritten Welt auch zu neuen sozialen Praktiken führen können, hat Nicolas Nova in Peru entdeckt. Dort gibt es die sogenannten Llamadas:
It’s generally women or teenagers with a bundle of mobile phones and a stop-watch who act as pay phones. They wear colorful clothes with mobile carriers brands and the “llamadas” logo (that they also shout when you pass by).
“Das Spuckkästchen drunten, das ist der Planet”
Aber es geschah doch etwas, wenn ich füllte und in die Luft flog; es wurden mir doch, wenn ich so luftseefahrend weniger wie Howard durch die Kerker als um den großen Kerker aller kleinen reiste, Mittel und Wege gezeigt, besser auf die Menschen zu wirken, es sei nun, daß ich einige Steine meines Ballastes auf sie werfe, oder daß ich als herabkommender révenant wie ein Falke auf ihre Sünden stoße, oder daß ich mich ihnen unsichtbar mache und fest in solcher Lufthöhe und Barometertiefe.
Fakes
Errol Morris, Regisseur des Films Standard Operating Procedure, hat sich in der New York Times noch einmal das iranische Foto vorgenommen, in dem der Start diverser Raketen vorgetäuscht wurde. Herausgekommen ist ein etwas launiges, aber lesenswertes Essay über Manipulation durch Bilder, inklusive zwei interessanter Kurzinterviews mit dem digitalen Forensiker Hany Farid und dem konservativen Blogger Charles Johnson (der den iranischen Fake entlarvt hatte).
Eine kleine Anekdote, die sich in den Fußnoten versteckt, fand ich aber besonders interessant. Sie bezieht sich auf eine Äußerung Farids, in der es weniger um Bildmanipulation, sondern um falsche Erinnerungen geht. Morris illustriert dieses Phänomen mit folgendem Beispiel:
Freeman Dyson tells a story (in The New York Review of Books) about a childhood experience:
“When I was a boy in England long ago, people who traveled on trains with dogs had to pay for a dog ticket. The question arose whether I needed to buy a dog ticket when I was traveling with a tortoise. The conductor on the train gave me the answer: ‘Cats is dogs and rabbits is dogs but tortoises is insects and travel free according.’”
Nicholas Humphrey in a letter to the editors pointed out that “the very same encounter appeared as a cartoon in Punch in 1869. The caption of the cartoon reads:
Railway Porter (to Old Lady traveling with a Menagerie of Pets). “‘STATION MASTER SAY, MUM, AS CATS IS ‘DOGS,’ AND RABBITS IS ‘DOGS,’ AND SO’S PARROTS; BUT THIS ‘ERE ‘TORTIS’ IS A INSECT, SO THERE AIN’T NO CHARGE FOR IT!” [Punch, 1869, Vol. 57, p. 96]”
Freeman Dyson replied:
“Thanks to Nicholas Humphrey and Michael Jackson for letters informing me of the 1869 Punch cartoon about tortoises and dogs on trains. My memory of traveling with a tortoise has two possible explanations. The first and more probable is that I heard of the conversation recorded in the Punch cartoon and transformed it over the years into a memory. This would not be the first time that I remembered something that never happened. Memories of childhood recollected in old age are notoriously unreliable. The second possible explanation is that the memory is accurate. In that case the conductor on the train knew the cartoon and said what he was supposed to say according to the script.”
Here, Dyson essentially admits to having confabulated seeing a Punch cartoon with a real experience. My friend Charles Silver has provided a thoughtful analysis. “Here are several (overlapping) definitions for ‘confabulation’: inventing things that aren’t true; making up something that’s thought to be true for a variety of reasons, one being to fill in memory gaps; inventing something that’s hoped to be true; imagining that something happened to you after hearing a report or reading a story about someone else; manufacturing, deliberately or not, a portion of reality; arriving at a fabricated story; and just plain lying.”
Die Dyson-Anekdote stammt ursprünglich aus dieser Rezension. Das Kuriose an dieser Geschichte ist, dass sie wie die Variation eines literarischen Vorbilds erscheint: Im neunten Kapitel von Dostojewskis Idiot (der im übrigen fast zeitgleich mit der Punch-Karikatur herauskam) gibt es die berühmte Episode mit dem Bologneserhündchen. Auch darin geht es um die Enttarnung eines Fakes, der mit einer Bahnfahrt und einem Haustier zu tun hat.
Der Idiot ist ein Roman, in dem es fortwährend um kommunikative Strategien und Manipulation geht. In der Geschichte mit dem Bologneserhündchen ist nicht nur die Lüge, sondern auch ihre Enthüllung problematisch. Die Entlarverin, Nastassja Filippowna, ist ja selbst eine sehr ambivalente und äußerst manipulative Gestalt. Selbst die Entlarvung einer Lüge, scheint Dostojewski zu sagen, ist nur eine Geste, die man mißtrauisch betrachten muss. Die Wahrheit ist ebenso Mittel zum Zweck wie die Lüge; im Zweifel erreicht man damit erst mal nichts als die Stimmung auf der Party zu ruinieren.
Die Teufelstreppe von Koblenz
Auf einigen Stadtplänen findet man sie noch (und sogar bei Yahoo Maps, aber nicht bei Google). Das städtische Fremdenverkehrsamt erwähnt sie immerhin beiläufig, und wenn ich richtig weiss, dient sie sie noch als Grenzmarkierung für Wahlkreise und andere administrative Belange: Die Teufelstreppe in Koblenz. Mehr …
